Sind industrielle Lebensmittel Sterbemittel?

Lesetipp zum Buch von Franz Keller „Ab in die Küche“

Ein gutes Essen zu geniessen, am Besten noch gemeinsam, ist eine tolle Voraussetzung für ein gutes Gespräch. An einem Tisch zu sitzen und nicht nur eine Mahlzeit zu teilen, sondern auch Gedanken und Ideen auszutauschen oder über Probleme zu sprechen, das schafft eine andere Atmosphäre und klappt auch wunderbar, wenn man sich mit Freunden oder der Familie zum Essen trifft. Und wahrscheinlich ist genau aus diesem Grund der Tisch in vielen Häusern und Wohnungen ein zentraler Mittelpunkt. Lasst euch von der sozialen Funktion eines guten Essens überzeugen. Ich bin nun seit mehr als 20 Jahren Koch, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und zu essen ist der soziale Kitt sowohl zu Hause für die Familie als auch für die Kollegen oder die Gesellschaft. Bei einem guten Essen können grossartige Ideen entstehen und die meisten Probleme sind nur noch halb so wild und zu einer Lösung findet man oftmals viel entspannter. Das mag daran liegen das gutes Essen uns glücklich stimmt, wir eine Befriedung erfahren und uns für einen kleinen Moment von allen ablenkt. Darum, fangt wieder an selber zu kochen, setzt euch an einen Tisch und geniesst die gemeinsame Zeit.

Ok, nun Essen verbindet Menschen, aber gilt das auch, wenn die Nahrung nur noch aus Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza besteht?

Genau dies ist ein Problem unserer Zeit. Unser Essen, unsere Ernährung haben wir mit den letzten Jahrzehnten aus der Hand gegeben und irgendwie sehr stark wegrationalisiert. Unser Essen muss heute effizient, schnell und zum mitnehmen sein. Das ist für mich als Koch schrecklich, wenn man so schaut was wir uns da so alles an Fast- und Fertigfood genehmigen und vielen Menschen ist es auch offensichtlich egal. Die Devise scheint zu sein: Hauptsache schnell und satt. Dies ist doch aber keine gute Ernährungsgrundlage – nein das macht uns krank. In meinen Augen sind genau solche industriell hergestellten Lebensmittel im Grossen und Ganzen echte Sterbemittel.

Beim kochen in der Küche geht es um das Wesentliche, es geht um unser Leben. Die Nahrung die wir täglich zu uns nehmen, soll unseren Körper und den Geist möglichst optimal mit Energie und Nährstoffen versorgen. So ist das Essen also eine ganz zentrale, vielleicht sogar die wichtigste Aufgabe für uns Lebewesen. Aber die Todesursache Nummer eins ist heute eine falsche Ernährung. Wir im Westen fressen uns zu Tode und am anderen Ender der Welt sterben immer noch Millionen Menschen an Hunger. An der Tankstelle darf der Liter Öl für das Auto, gut und gerne über 45 Euro kosten, aber wir sind nicht bereit mehr wie 6 Euro für das Öl auszugeben das für unseren Motor, unseren Körper gebraucht wird. Dies zeigt doch nun ganz deutlich wie wir hier unterwegs sind.

Was läuft denn nun bei unserer Ernährung alles falsch? Ehrlich gesagt, so ziemlich alles. Grade jetzt zur Zeit der Coronakriese (Mai 2020) laufen so viele bereitwillig mit einem Mund- und Nasenschutz herum, wird das hinterfragt? Nein es machen alle so und es ist ja auch von der Regierung so „angeordnet“. Das reicht als Begründung. Und ich sehe es jeden Tag das kaum jemand damit glücklich ist, aber man setzt ihn halt kompromisslos auf. Genau das selbe sehe ich in den Mastfabriken, dort wo das hoch subventionierte Billigfleisch von miserabler Qualität produziert wird. Dort hinterfrag auch kaum einer etwas. Nicht einmal den hohen Antibiotika – Einsatz. Oder das wir dafür Soja importieren, das in Südamerika in riesigen Monokulturen angebaut wird und für die auch weiterhin der Regenwald abgeholzt wird. Die Gülle, die aus diesen exorbitanten Futtermengen entsteht, landet auf den Äckern der Bauern und es entsteht ein massives Nitratproblem. Dies alles nur damit wir das Billigfleisch dann wieder in andere Länder exportieren, wo wir auch noch die landwirtschaftlichen Strukturen zerstörten. Das ist ein abartiger Kreislauf, der uns, die Menschen krank macht und den Planeten zerstört. Wir brauchen unbedingt eine Veränderung bei unserem Verhalten, bei unserem Konsum. Aber vor allen brauchen wir eine radikale Agrar- und Ernährungswende. Und diese kann schon jeder bei sich selbst einleiten. Dies bedeutet nicht das nun alles Bio sein muss, nein schaut einfach das ihr Produkte auswählt, die nachhaltig, regional und saisonal sind. Kirschen in Dezember sind genauso unnütz wie Spargel aus Thailand oder grüne Bohnen aus Kenia. Ja es gibt Delikatessen, aber bitte nicht zu um jeden Preis und vor allem nicht zu jeder Zeit.

Fangt wieder an, möglichst jeden Tag selber zu kochen. Mit unverarbeiteten und/ oder “echten“ Lebensmitteln, denn nur so können wir die Kontrolle über unsere Ernährung wieder zurückerlangen.

Die meisten Menschen wissen durchaus, das eine Suppe aus der Büchse nicht das Nonplusultra ist. Aber viele Menschen sind der Meinung, das Gemüse waschen und putzen oder eines Salates zuviel ist nach einem 8 bis 12 Stunden Arbeitstag. Die Frage lautet: Wie kann eine gesunde Ernährung selbst bei einem stressigen Arbeitstag funktionieren?

Nun das Kochen ist im Grossen und Ganzen nur ein Abfolgeprozess. Je öfter wir es tun und je vorausschauender wir dabei planen, desto einfacher und schneller wird es gehen. Keiner kann wirklich behaupten, man habe dafür keine Zeit. Wenn man einmal schaut was der durchschnittliche Konsum adiovisueller Medien sind, so liegt er heute schon bei rund 10,5 Stunden pro Tag. Einfach mal eine Stunde weniger vor der Glotze hängen oder eine Stunde weniger „zocken“ und dafür etwas gutes kochen. Dies sollte für jeden möglich sein. Ja wir müssen ein wenig aus der Komfortzone heraus und den Alltag etwas umstrukturieren, aber mit etwas Übung gelingt dies recht gut und wir belohnen uns ja mit gutem Essen. Kochen und Essen müssen wieder zu einem Ritual werden, das ganz bewusst in den Alltag intrigiert wird. Zeit ist doch auch das, wofür man sie nutzt. Und wenn der Stellenwert einer guten und ausgewogenen Ernährung für das Wohlbefinden einem wieder bewusst wird, dann ist selberkochen alles andere als eine Zeitverschwendung oder Arbeit, es wird dann zu einem Vergnügen.

Nun gibt es noch das Problem mit der meist zu kurzen Mittagspause. Wer rasch etwas Warmes essen möchte, hat es oft nicht so leicht, etwas zu finden, das rasch zubereitet, recht günstig, satt macht und dazu noch gesund ist. Oft bleibt ja nur die Wahl zwischen Schnitzel mit Pommes oder einem Salat. Liegt hier ein Problem der Gastronomie vor, wo die Restaurants ihre Speisekarten etwas optimieren könnten? Ja und nein, ich denke beide Seiten stehen hier in der Pflicht. Zum einen sollten die Köche in den Restaurants die Vorreiter und Vorbilder für eine gesunde und gute Ernährung sein. Doch hat die Convenience – Seuche vor allem in der Kantinengastronomie, aber auch in den Restaurants extrem Einzug gehalten. Ganz zu schweigen von den Gemeinschaftsverpflegung in den Heimen oder im Krankenhaus wo man ja von ausgehen sollte, das es grad im Krankenhaus nur gesundes Essen geben sollte. Aber das Arbeiten mit fertigen oder halbfertigen Zutaten ist leider viel zu oft im Einsatz und verfälscht in meinen Augen die Berufung eines Koches. Aber auf der anderen Seite sind ja nun insbesondere die Deutschen echte Sparfüchse beim Thema Essen. Gutes Essen aber hat nun einmal seinen Preis und den sollten wir auch im Restaurant bezahlen, wenn wir die Handwerkskunst der Küche wertschätzen, wenn wir eine gute Mahlzeit mit dem entsprechenden Service erleben wollen. Ich finde es ist eine richtige und gute Investition, vor allem in die Gesunderhaltung unseres Körpers. Mit Recht gehört hier auch ein grosses Stück Vertrauen in die jeweiligen Gastronomen, das auch ein Steinbutt ein Steinbutt ist und nicht die Scholle auf dem Teller landet. Aber dies möchte ich hier erst einmal ausschliessen.

ich sage auch ganz klar, das Thema Ernährung und kochen, sollte als Hauptfach in jeder Schule unterrichtet werden. Wenn man sich die dramatischen Zahlen zu den extrem übergewichtigen oder von Diabetes betroffenen Jugendlichen anschaut, ist dort schon ein dringender Handlungsbedarf geboten. Nun sind die Eltern für die Ernährung ihrer Kinder an erster Steller selbstverständlich selbst gefordert. Aber wenn gute 40 Prozent der deutschen nicht mehr oder vielleicht einmal oder zweimal die Woche kochen – wo sollen es die Kinder dann lernen? Viele bringen doch heute schon nicht mehr das Schnitzel, das sie Folie verschweisst kaufen, mit dem Tier in Verbindung, von dem es stammt. Eine gute und umfassende Bildung und vor allem Selberkochen, das Stellt die Verbindung zur Natur, von der wir leben, wieder her.

Wie kann man darüber hinaus die Entwicklung in der Politik die sich ja nun in der Zeit der Coronakriese (Mai 2020) um unsere Gesundheit einsetzt beurteilen? Wie kann man die aktuellen Weichenstellung der Landwirtschaftministerin – aktuell Julia Klöckner – beurteilen? Meine persönliche Meinung zu unserer Bundesregierung, wie sie sich um unsere Gesundheit sorgt ist im Grunde ja nicht ganz so verkehrt, die Massnahmen die getroffen wurden möchte ich hier nicht besprechen, aber wie wäre es wenn es mal nicht nur um einen Schnupfenvirus gehen würde. Wenn unsere Politiker wirklich um die Gesundheit der Bevölkerung bemüht wäre, warum wird die Masttierhaltung vom Staat subventioniert? Warum wird der Einsatz von Glyphosat selbst von den Grünen begrüsst und weiter auf die Äcker versprüht? Warum gibt es noch keine Nährwertampel auf unseren Lebensmitteln? Warum steht auf Frühstückscerealien das Wort gesund drauf, wo dort doch viel zu viel Zucker, Zusatzstoffe und Farbstoffe drin sind und bei einem Apfel steht das Wort gesund nicht bei. Bei den Zigaretten haben wir die krassen Bilder von Krankheiten drauf, warum nicht bei einer Tafel Schokoladen von der lila Kuh, wo bei dies ja alles andere ist als eine Schokolade.

Wir als Konsumenten müssen viel mehr Druck auf die Politik ausüben. Diese Macht haben wir, und wir sollten sie nutzen. Die Bauern sind ja nun gerade zum ersten mal seit Jahren auf die Strasse gegangen, und um sie ruhig zu stellen, wurde von der Groko eine „Bauernmillarde“ spendiert, von der sich jetzt die Landwirte fragen: Was soll das? Statt eine echte Agrarwende einzuleiten, wird ein erwiesenermassen lasches System weiter zementiert. Mit dem Geld sollen sich die Bauern jetzt grössere Auffanggruben für die Gülle bauen, statt die Überdüngung der Felder und damit die Nitratbelastung des Grundwassers nachhaltig zu regulieren. Statt mit dem Ganzen EU-Geld weiterhin die Fläche zu subventionieren, sollten es grade die kleineren Betriebe und die regionalen Strukturen gefördert werden, für eine gesunde Ernährung wie für den Klimaschutz. Nur ist es denn wirklich von Nutzen wenn kein Mensch mehr krank wird von seiner täglichen Ernährung? Meine Antwort sollte nun hier bekannt sein.

Hier der Lesetipp zum Thema „Ab in dei Küche„ von Franz Keller:

https://www.buchkomplizen.de/e-Book/Alle-Buecher/Ab-in-die-Kueche.html

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